Ewiger Sommer – zu welchem Preis? Klima-Scham und Ambiguitätstoleranz
Ginge es nach uns, könnte das ganze Jahr Sommer sein. Lange helle Abende, Wärme auf der Haut, draussen sein. Und gleichzeitig schmerzt es, wenn Hitze zur Bedrohung wird, Dürre herrscht, Gletscher schmelzen und eine Welt, wie wir sie kennen, ins Wanken gerät.
Was machen wir mit diesem Widerspruch? Mit Schuldgefühlen, die sich in den Genuss mischen? Mit dem Gefühl, selbst Teil des Problems zu sein? Und mit der Frage, was wir eigentlich bereit sind zu verändern und worauf wir verzichten können – und wer sich Verzicht überhaupt leisten kann?
Die Klimakrise konfrontiert uns mit Gleichzeitigkeiten, die wir gerne auflösen würden: Wir wollen leben, geniessen und frei sein – und wissen zugleich, dass ein «immer mehr» auf einem endlichen Planeten nicht funktionieren kann. Letztlich ist es die Gleichzeitigkeit von Werden und Vergehen, nöd wahr. Individuelles schlechtes Gewissen und persönlicher Verzicht greifen dabei zu kurz. Es braucht Lösungen, die von einem kollektiven Wunsch getragen sind - und die Bereitschaft, gesellschaftliche und wirtschaftliche Strukturen neu zudenken.
Vielleicht brauchen wir dafür vor allem eines: Ambiguitätstoleranz. Diese gar nicht so einfache Fähigkeit, Widersprüche auszuhalten, ohne sie vorschnell aufzulösen. Wir können den Sommer lieben und die Folgen eines immer wärmeren Planeten betrauern. Wir können Teil eines problematischen Systems sein und Handlungsspielraum haben. Wir können Angst vor Veränderung haben und zuversichtlich in die Zukunft schauen.
Doch diese Zuversicht oder Hoffnung darf nicht zur Beruhigung werden, die uns vom Handeln abhält. Dabei muss Handeln nicht bedeuten, alles allein richtig machen zu wollen. Was wäre, wenn wir Verantwortung stärker als etwas Gemeinsames verstehen? Wenn gemeinsam entscheiden, was wir verändern wollen?
Eine Folge über Klima-Scham und Lebensfreude, über Schuld und Genuss, über die Grenzen des Wachstums – und darüber, wie Ambiguitätstoleranz und gemeinsames Handeln uns helfen können, angesichts der Klimakrise lebendig zu bleiben.
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